Julius Evola

REICH UND IMPERIUM ALS ELEMENTE DER NEUEN EUROPÄISCHEN ORDNUNG

Wer die voraussichtlichen wesentlichen Ergebnisse festlegen wollte, die das revolutionäre Geschehen des gegenwärtigen Krieges zeitigen wird und die eher durch die immanente Gewalt der Dinge und der Ereignisse als durch irgendeinen bestimmten vorgefaßten Entschluß der Menschen zustande zu kommen scheinen, der würde etwa zur Anerkennung folgender Punkte kommen:
  1. Der für die unmittelbar vorangegangene Periode eigentümliche Begriff der politischen Souveränität ist in die Krise geraten und gründlich zu revidieren. Die Einteilung der Erdoberfläche in atomhafte, völlig eigenständige, durch starre Territorialgrenzen bestimmte Staatsgebiete tritt die Idee einer Teilung der Erde in Räume entgegen, die verschiedene Volksgruppen und politische Sondereinheiten aufgrund wirklicher und organischer Beziehungen umfassen.
  2. Im Zusammenhang damit wird auch die frühere, nämlich formalistische und positivistische Auffassung des "Völkerrechts" westlicher Prägung hinfällig. An die Stelle von abstrakten Grundsätzen, die bei absoluter Gleichgültigkeit gegen die verschiedenen Möglichkeiten und die unterschiedliche Macht und Würde der Völker den Anspruch erheben, für jeglichen Staat gleiche Gültigkeit zu haben, tritt die Idee eines neuen gegliederten "übernationalen" Rechtes. Der Ausdruck "übernational" ist dabei allerdings nicht in einem unbestimmten universalistischen, sondern in einem organischen Sinne aufzufassen, das heißt in enger Beziehung zu gewissen Anschauungen, die jedem der neuen, mehrere Nationen umfassenden Räume zugrunde liegen werden.
  3. Hinsichtlich solcher übernationaler Gebilde ist heute die Bezeichnung Großräume oder Lebensräume geläufig geworden, eine Bezeichnung, die uns jedoch als nicht ganz treffend erscheint, weil damit vorwiegend das nur materielle Moment der Frage betont wird. Wir sind der Meinung, daß der gegenwärtige Krieg nicht dazu bestimmt ist, lediglich zu einer "Ablösung der Wache" im System der europäischen "Imperialismen" und materiellen Vorherrschaften zu führen. Die höhere und wirklich revolutionäre Bedeutung dieses Krieges wird kaum von demjenigen empfunden, der in ihm nicht das Bestreben erkennt, den "Imperialismus" als rein materialistischen Herrschaftsgedanken zu überwinden, um zur Grundlage des Rechtes auf "Lebensräume" den höheren Rang machen, den einige Völker - unsere Völker - gegenüber den plutokratisch oder kollektivistisch eingestellten Nationen beanspruchen können - eine Forderung, die dem echten Reichsgedanken entspricht, der nach traditionsgebundener Auffassung immer auf einer geistigen Tatsache und einem höheren Herrscherrecht beruhte.
  4. So wie die Dinge bis heute realpolitisch in Europa liegen, ist von dieser Entwicklung erst die Phase der allmählichen Bildung von "imperialen Zusammensetzungen" rund um die Völker der Achse festzustellen. Das grundlegende Problem der neuen, durch unseren Sieg aufzurichtenden Ordnung wird daher das des Überganges von solchen "imperialen Zusammensetzungen" zu "imperialen Ganzheiten" bzw. reichischen Organismen sein.
  5. An einem solchen Problem sind drei Momente zu berücksichtigen: das Moment der gegenseitigen wirtschaftlichen Ergänzung der Völker - womit die sich auf die Lebensräume beziehende Frage gelöst wäre (Lebensräume im eigentlichen, materiellen Sinne); das völkische und rassische Moment; und schließlich das Moment der Kultureinheit.
  6. Daß im Grunde das letzte Element das entscheidende ist, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß von einem wahren Organismus nicht die Rede sein kann, wo eine lebendige Einheit fehlt. Eine derartige Einheit kann jedoch nicht aus einem wirtschaftlich-verwaltungsmäßigen oder formalrechtlichen System hervorgehen; auch auf der Ebene des Nur-Nationalen in naturverhaftetem Sinne wäre sie problematisch, weil man auf dieser Ebene immer mit der Gewalt von partikularistisch bestimmten Affekten der einzelnen Völker zu rechnen hat. Nur auf geistiger Ebene und in wirklicher Kultureinheit sollte man vielmehr jenes Reagens suchen, das fähig wäre, in den neuen imperialen Räumen aus den imperialen Zusammensetzungen echte imperiale Ganzheiten werden zu lassen, die als solche für die Beständigkeit der neuen Ordnung genügende Gewähr zu bieten vermögen.
Wenn man im Zusammenhang mit den Aufgaben der neuen Ordnung von Kultur spricht, sollte man damit beginnen, jenen Begriff der Kultur gründlich zu revidieren, der in der neueren Zeit - und insbesondere seit der Aufklärung und der Französischen Revolution - vorherrschend geworden ist. Es gibt eine Kultur, die einerseits auf humanistischer Kunst und Profanwissenschaft beruht, andererseits vom Rationalismus und Mechanismus untrennbar ist und der die technischen und sozialen Errungenschaften die Wahnvorstellung einer unbestrittenen Überlegenheit beigeben. Diese Kultur hat kein Antlitz, sie ist im Grunde international, anonym und unorganisch, sie ist also außerstande, irgendwie die Voraussetzungen für eine hierarchische und wohlgegliederte Ordnung der Völker zu schaffen.
Diesem Kulturbegriff gegenüber wären dagegen die heldischen, aristokratischen, traditionsgebundenen und sogar "sakralen" Werte zu betonen: auf sie sollte man sich hauptsächlich im Aufbau der neuen Reiche der Völker stützen. Die heutige Lage ist in dieser Beziehung ungünstig, gerade weil durch die Heraufkunft und die allgemeine Verbreitung der anderen Kultur - der internationalistischen, humanistischen und mechanistischen - die erwähnten Werte geschwächt und zerstreut wurden. Sie in neuen Kristallisationszentren wiederum zu sammeln, die ihrerseits als Seele und Bindemittel für neue übernationale Einheiten zu dienen hätten - dies ist eine Aufgabe, über deren Schwierigkeiten wir uns klar sein müssen. So wäre es gewagt, heute in Europa auf einen Gedanken zu verweisen der schon vollständig, lebendig und vorherrschend genug wäre, um ohne weiteres als Grundlage des schon angedeuteten höheren Aufbauwerkes dienen zu können. Nötig ist vielmehr eine Aktion der gegenseitigen Ergänzung wie auch der Erweckung und der wechselseitigen Stärkung. Wir nähern uns schon der Idee einer neuen europäischen Kultur - einem neuen "Europa-Gedanken": die Elemente dieser Idee sind jedoch noch nicht vollkommen bestimmt, wenn wir einmal von der nur politischen und sozialen Seite absehen.
Da die revolutionäre europäische Aktion von den Mächten der Achse ihren Ausgang genommen hat, so ist es natürlich, daß auch der primäre und wesenhafte Kern einer europäischen Kultur auf den Möglichkeiten und dem geistigen Erbgut der beiden Mächte der Achse beruhen muß. Als erste, von jeder Weiterentwicklung und jedem weiteren Völkeranscbluß vorausgesetzte Aufgabe sollte uns deshalb die nähere Bestimmung der Form gelten, wie im Rahmen eines neuen Europa-Gedankens das römische (da für uns "faschistiseh-italienisch" und "römisch" gleichbedeutend sind) und das deutsche Element sich gegenseitig ergänzen können. Die Geschichte scheint in dieser Hinsicht eine Parallele anzubieten: es scheint sich nämlich eine Konjunktur anzukündigen, die derjenigen ähnlich wäre, aus der der letzte wahre Typ europäischer Imperialkultur - der mittelalterlichen - erstand, welche wesentlich gerade von der Symbiose des römischen und des germanischen Elements bestimmt wurde. In welcher Funktion und in welchem Sinne können aber diese Elemente in der künftigen Kultur der "imperialen" Räume wirken?
Die Art ihrer einstigen Wirksamkeit in der mittelalterlichen Welt ist in großen Zügen jedem bekannt. Das germanische bzw. das nordisch-germanische Element wirkte sich hauptsächlich in der Lehenskultur und in der entsprechenden Ethik aus, während das römische Element, obwohl es damals in einer nicht einwandfreien Verbindung mit dem christlichen Glauben auftrat, überzeitliche und transzendente Anhaltspunkte für einen nicht lediglich nationalen Typ politischer Ordnung der Völker bot.
Nachdem wir diesen Punkt aufgezeigt haben, sollten wir die spezifischen politischen Ideen überprüfen, die heute Deutschland und Italien eigen sind, um jene ihrer Aspekte klarzuetellen, die als Prämissen des neuen Kulturtyps aufgenommen werden dürfen. Diese Seite der Frage kann hier natürlich nur gestreift werden.
Im Nationalsozialismus hat das Losungswort "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" eine besondere Rolle gespielt. Das Geschehen der letzten Zeit sowie die Aufgaben, die sich für die Zukunft ankündigen, scheinen jedoch in gewissem Sinne darüber hinauszuführen. Die angedeutete deutsche Parole war in der Tat durch eine besondere internationale Lage bestimmt: die Einheit aller Angehörigen eines einzigen Volkes in einem einzigen Reich unter einem einzigen Führer konnte ein wertvolles ideologisches Werkzeug sein, solange Teile des deutschen Volkes noch außerhalb der durch die Pariser Diktate bestimmten politischen Grenzen des Reiches lebten. Hinsichtlich der Aufgabe der europäischen Zukunft handelt es sich jedoch um anderes, wenn nicht sogar um das Gegenteil: es handelt sich darum, einzusehen, wie sich die Autorität und der Einfluß legitimieren können, die ein Reich auf verschiedene, in einen einzigen imperialen Raum einzubeziehende Völker ausüben wird.
Diese Frage führt uns zur Prüfung einer weiteren Formel, in der einige Autoren einen Grundunterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus sehen möchten. Wir meinen die Idee der Volksgemeinschaft und der Legitimation von Staat und Führertum durch das Volk. Der Faschismus ist dagegen geneigt, Volk und Nation als etwas Abstraktes aufzufassen, solange man von der gestaltenden, übergeordneten Funktion des Staates und des Führertums absieht. Der Staat wird dabei freilich zu keiner juristischen Funktion vergegenständlicht und zu keinem seelenlosen Machtmechanismus herabgewürdigt, er wird vielmehr als das autoritäre Organ einer Elite bzw. eines Ordens begriffen, in dem mehr als in jedem anderen Teil das "Volk" wirklich, lebendig, gestalthaft und selbstbewußt in die Erscheinung tritt. So organisch und beinahe untrennbar verbunden Staat und Volk, Führertum und Nation nach faschistischer Auffassung sind, besteht bei uns doch das Bestreben, dem Führertum eine gewisse Selbständigkeit und eigene Weihe einzuräumen. Im Ordensgedanken bzw. Oedensstaatsgedanken begegnen sich jedoch die faschistische und die nationalsozialistische Ideologie wieder. Die Gültigkeit, die die nationalsozialistische Formel innerhalb des Reiches eines einzigen Volkes besitzt, bleibt unbestritten. In dem Augenblick aber, wo ein Begriff der politischen Führung und Autorität in Frage steht, der als zentraler Anhaltspunkt für einen nicht mehr nur nationalen, sondern übernationalen und imperialen Raum gelten soll, müßte unseres Erachtens eine gewisse Steigerung der früheren, durch die schon angedeutete europäische Lage bedingten nationalsozialistischen Formel angestrebt werden. Eine ausschließlich durch ein bestimmtes Volk sich legitimierende Autorität wird jenseits der Grenzen dieses Volkes nie als viel mehr gelten können denn als bloße Gewalt. Die Dinge lägen jedoch etwas anders, wenn man einen gewissen Abstand zwischen das Volk und jene Macht legte, die es als Staat und Elite gewissermaßen von oben her gestaltet und führt. Man kann sich dann eine Entwicklung vorstellen, durch die diese übergeordnete tragende Macht so weit gesteigert und geläutert wird, daß sie in natürlicher Weise auch jenseits der Grenzen jenes Volkes, innerhalb dessen sie sich ursprünglich behauptet und verwirklicht hat, anerkannt zu werden vermag.
Eine solche übernationale Bedeutung des Reichsgedankens ist übrigens schon in der früheren deutschen Tradition zu finden. Die Hervorhebung einer mehr partikularistischen Deutung desselben war nur zufälligen Umständen zuzuschreiben, die jedoch nunmehr überholt sind, so daß einer geeigneten Wiederaufnahme des früheren Gedankens nichts im Wege steht. Noch kürzlich wurde von Steding wirksam die besondere Bedeutung jenes Gedankens im Umbruch der Zeit und den "Krankheiten der europäischen Kultur" gegenüber betont. In der in Frage stehenden Reichsidee hat sich aber das wiederbelebte römische Element wiederum in gleichem Maße wie das germanische ausgewirkt,1 und in diesem Zusammenhang ist die Rolle zu verstehen, die auch das Römische im neuen Europa-Gedanken spielen kann. Uns sind zwar die Voreingenommenheiten bekannt, die in gewissen Kreisen gegen das Römische genährt werden. Sie beruhen jedoch meistens auf einseitigen Angleichungen. So wird zum Beispiel das wahre römische Recht mit einem Recht verwechselt, das man lieber napoleonisches Recht nennen sollte und das von einem Universalismus und einem abstrakten Normativismus beeinträchtigt ist, die im organischen Gebilde des früheren römischen "imperialen Raumes" nur Verfallserscheinungen bedeuteten. Ebenso irrtümlich ist es, Römertum und katholische Kirche schlechthin gleichzusetzen. Man muß gewiß zugeben, daß das Römertum im Zusammenhang mit dem Katholizismus bei der Gestaltung der imperialen mittelalterlichen Kultur gewirkt hat. Man soll sich aber klar machen, um welchen Katholizismus es sich damals handelte. Das wahre römische Recht war nicht "universalistisch" im modernen, rationalistischen und aufklärerisch-freimaurerischen Sinne, sondern es war die Form eines wohlbestimmten imperialen Raumes oder Reiches, das als Grundlage ein ebenso wohlbestimmtes kulturelles und menschliches Ideal hatte. Der mittelalterliche Katholizismus bezog sich ebenfalls auf eine Christianitas, die sich hauptsächlich mit der Gemeinschaft der arischen europäischen Nationen identifizierte. Diese Gemeinschaft wurde als eine organische und kämpferische Einheit aufgefaßt und in ihr der Ethik der Ehre und der Treue eine weit größere Anerkennung gezollt als den Tugenden des Verzichts und der universellen humanitären Verbrüderung. Auch die Rolle, die damals der antijüdische Gedanke spielte, ist bekannt.
Wenn wir uns an diese, in ihrer Art mannhafte Phase des Katholizismus halten, können wir darin einige Werte erkennen, die nicht notwendigerweise mit dem arisch-römischen und dem arisch-germanischen Ideal in Widerspruch stehen. Man soll nicht vergessen, daß für viele europäische Völker der Katholizismus eine Überlieferung vieler Jahrhunderte bedeutet, die man nicht von heute auf morgen ohne zerstörerische Folgeerscheinungen über Bord werfen kann. In der Beziehung kann eine gemäße Richtigstellung und Auslese eher als eine glatte Ablehnung zum wahren, gemeinsamen Ziel führen. Ein Satz von Mussolini, der seinerzeit in vielen Kreisen Ärgernis erregte, lautet: "Ohne Rom wäre vielleicht das Christentum im Zustand einer der vielen in Palästina wimmelnden Sekten geblieben." In diesen Worten ist euch für die katholischen Länder ein Hinweis gegeben - nämlich im Katholizismus wiederzufinden und hervorzuheben, was er trotz allem an Arischem und "Römischem" enthält, und damit jenen Symbolen und Idealen entgegenzukommen, die andere europäische Völker ohne den Umweg über Katholizismus und Christentum unmittelbar aus ihren arischen Traditionen schöpfen können. Entscheidend ist jedenfalls, sich klarzumachen, daß auch für die neue Ordnung ein Anhaltspunkt nötig sein wird, ähnlich dem, den gerade das Römische - dem katholischen Kompromiß zum Trotz - in der Gestaltung der europäischen Kultur des Mittelalters darstellte. Wenn der Imperialismus ein Machtsystem bedeutet, in dem ein Teil sich den anderen, von ihm ausgenutzten und verwalteten Teilen aufdrängt, dann bedeutet hingegen das Reich oder Imperium das Führertum und die höhere Gerechtigkeit des unum, quod non est pars (jenes einen, das kein Teil ist).
Wir möchten nunmehr kurz auf die Rolle hindeuten, die unserer Meinung nach die germanische Komponente im Zusammenwirken mit der eigentlich römischen in der Gestaltung der geistigen Mittelpunkte der neuen imperialen Räume und der entsprechenden Reiche zu spielen hätte. Wir sagten, daß im Mittelalter diese Komponente hauptsächlich in der Lebenskultur zur Geltung kam. Heute kann sie sich in analoger Weise doppelt auswirken: verwaltungsmäßig im Sinne einer teilweisen Dezentralisation und Einteilung bzw. Graduierung der einzelnen politisch-territorialen Hoheiten; geistig und ethisch in der Bestimmung klarer und personalisierter Abhängigkeitsverhältnisse der Untergebenen und echten Verantwortungsinnes in den führenden Elementen. Dafür genüge es, die heute so geläufige Formel "Führer und Gefolgschaft" in ihrem tieferen, ursprünglicheren Sinne zu verstehen. In der Tat können wir uns die Struktur der neuen imperialen Organismen kaum anders vorstellen als auf Grund einer Art Lehenssystems mit einem zentralen Hoheitsrecht und einer Reihe von Teilhoheiten - imperium eminens et ius singulare. Es darf übrigens hervorgehoben werden, daß die schon angenommene Formel der "Protektorate" im Grunde denselben Gedanken widerspiegelt: die feudale Bindung ergab sich aus der Unterordnung und der Treue - fides - von der einen Seite, denen der "Schutz" durch den anderen Teil entsprach. In den Beziehungen der neuen Königreiche Kroatien und Montenegro gegenüber der italienischen Monarchie kommt dieselbe Idee zum Ausdruck. Dieser Grundsatz kann aber einen positiven, schöpferischen Wert erlangen nur unter der Voraussetzung eines neuen, normaleren Zustandes, in dem das ruhige, klare und würdevolle Gefühl der Nationalitäten an den Platz der Verbitterung, der Virulenz und der Unduldsamkeit der Nationalismen tritt. In diesem Zustand wird man wieder begreifen, daß es sowohl hinsichtlich eines Volkes wie einer Schicht oder des Einzelnen eine Unterordnung gibt, die kein Anlaß zu Erniedrigung oder Herabsetzung, sondern zu Stolz ist, weil sie die Teilnahme an einer höheren Kultur und Sendung ermöglicht und den Überlegenen dem Unterlegenen gegenüber verpflichtet.
Da es sich aber um Beziehungen zwischen europäischen Völkern handelt, sind die Ausdrücke "überlegen" und "unterlegen" keinesfalls im absoluten Wortsinne zu nehmen. In dieser Hinsicht besteht die Möglichkeit, das rassische Moment zur Geltung zu bringen, mit dem Ziel, die in jedem imperialen Raum enthaltene Substanz so weit wie möglich anzugleichen, so daß die Gliederung mehr auf verschieden intensiver Stufung denn auf tatsächlichen Qualitätsunterschieden heruht.
Um dieses Problem gründlich anzugehen, muß man seine Untrennbarkeit von dem der innerrassischen Auslese erkennen, Hier sei nur folgendes hervorgehoben. Wer heute von Rasse spricht, indem er damit mehr oder weniger ausdrücklich den gemeinsamen, in einer bestimmten Nation vorherrschenden Typ meint (und dies ist der Fall überall, wo Ausdrücke wie "deutsche" oder "italienische" oder "slawische" Rasse usw. gebraucht werden), der kann sich nicht auf primäre rassische Elemente im reinen Zustand beziehen, sondern auf völkische, mehr oder weniger beständige Zusammensetzungen. In diesen Zusammensetzungen sind in verschiedener Verteilung mehrere Rassen gegeben, und es wäre schwer, ein europäisches Volk zu nennen, in dem bis zu einem gewissen Grade eine der europäischen, von der wissenschaftlichen Rassenkunde unterschiedenen Hauptrassen nicht vertreten wäre. Die Forderung, daß in der Bestimmung der imperialen Räume auch das rassische Moment berücksichtigt werde, sollte daher richtig verstanden werden. Maßgebend ist dieser Beziehung kann nicht der faktische Prozentsatz sein, in dem eine bestimmte Rasse in einem bestimmten Volk vorhanden ist, sondern die Feststellung der Rasse, die in diesem Volke die führende Rolle spielt oder zu spielen hat und die dem Ganzen seine Prägung gibt. Man befindet sich damit in einer Welt der Potenzialitäten, der dynamischen Verhältnisse, der geistigen Einflüsse. Die grundlegende Bedingung für eine wirklich organische Gestaltung der imperialen Räume wird jedenfalls in der besonderen Hervorhehung und führenden Funktion jener rassischen und geistigen Elemente liegen, die innerhalb der in den einzelnen Großraum einbezogenen Völker denjenigen artverwandt sind, welche im höheren Grade in den eigentlichen imperialen Nationen vertreten sind. Sollen die beiden Pole der "Achse" auch die der beiden größeren europäischen Reichsgebilde sein, so müßte man diese Substanz, die sozusagen dazu bestimmt ist, auf Grund der Artverwandtachaft als Bindemittel zu dienen, auf das römisch-arische und andererseits auf das nordisch-germanische Element beziehen, wobei die beiden Elemente wiederum als Differenzierungen eines gemeinsamen ursprünglichen Stammes anzusehen sind.
Die Bedeutung und den spezifischen Inhalt dieser beiden Ausdrücke haben wir schon andernorts betrachtet. Hier sei nur erwähnt, daß wir nunmehr jeden weiteren Gebrauch von seinerzeit sehr beliebten Ausdrücken wie "lateinische Völker", "lateinische Brüderschaft" und Verwandtes ablehnen - Mussolini selbst hat in diesem Zusammenhang von "bastardischen Brüderschaften" gesprochen, und es ist bezeichnend, daß durch offizielle Verordnung in Italien veranlaßt wurde, in gewissen Texten für die Jugend den Ausdruck "lateinisch" durch "römisch" zu ersetzen. In der Tat ist "lateinisch" ein verdächtiger Ausdruck, der, wenn er etwas bedeutet, sich auf eine Tünche bezieht, die eine vermischte, durch Vorgänge des geistigen und politischen Verfalls geschwächte und unterminierte rassische Substanz überdeckt. Die wirklich kulturschaffende Kraft unserer Ursprünge ist nicht "lateinisch", sondern einfach römisch bzw. arisch-römisch: so wie diese Kraft für die Völker des nördlichen Kulturkreises einfach nordisch bzw. nordisch-germanisch ist. Dies mindestens, soweit die Aspekte der Kultur in Frage kommen, die uns allein interessieren und die wir allein als feste Grundlage für den europäischen Wiederaufbau und die neue Ordnung betrachten können.
Nun hätten wir die latenten Anlagen der verschiedenen europäischen Völker in bezug auf ihre mögliche Anlehnung an den einen oder den anderen der beiden achon erwähnten Pole zu betrachten. Eine solche Prüfung bei dem heutigen, noch dynamischen und stürmischen Stand der Dinge wäre jedoch voreilig. Viele Entwicklungen sind noch in vollem Gange. Man kann von einer Feuerprobe der Berufungen wie auch der verschiedenen staatlichen Gebilde sprechen, die noch nicht abgeschlossen ist. Es scheint, als ob das Schicksal gewollt hätte, daß die europäische Erneuerung nicht von innen heraus, sondern dank der von der Gewalt der Dinge und der Waffen verursachten Risse und Brücbe und im Prozeß einer tragischen Umwälzung erfolge, so daß wir erst in Zukunft sehen werden, ob tiefliegende Mächte tatsächlich an die Stelle der oberflächenhaften getreten sind und welches in jedem einzelnen Fall diese Mächte sind.
Dieses gewaltige Geschehen wird nur dann einen wirklich positiven Ausgang haben, wenn in der einen oder anderen Weise sich jene Mächte etwas von der gestaltenden Kraft bewahren, die schon die mittelalterliche Gemeinschaft der arischen Nationen ins Leben rief. Dies gilt für alle modernen abendländischen Völker, diejenigen nicht ausgeschlossen, die das römisch-germanische Mittelalter nicht erlebten, bei denen etwa die slawische Komponente vorbeherrschend ist und die im Zeichen des griechisch-orthodoxen Glaubens stehen oder standen. In der Tat wohnt diesem Glauben, einigen seiner Anschauungen nach, die Möglichkeit inne, leichter als in andern abendländischen Konfessionen gewisse Zwiespälte zwischen Geistigkeit und Politik zu überwinden. Die Wiederaufnahme des ökumenischen Gedankens dieses Glaubens bietet die Grundlage für ein organisches Ideal nationalen Lebens als Einheit von Sippe und Religion, der Lebendigen, der Toten und des Gottes-Gesetzes - ein Ideal, das in vieler Hinsicht mit dem übereinstimmt, das auch die geistige Vorhut unserer Revolutionen erstrebt und das soger viele Züge mit der Tradition des dritten Volkes des Dreimächtepaktes - Japans - gemeinsam hat.
Abgesehen von Rumänien, das nunmehr in unserer Front steht, könnten also auch slawische und griechisch-orthodoxe Völker organisch in die künftigen imperialen Räume der Achse einbezogen werden. Die Bedingung dafür wär sogar die Rückkehr zum innersten Kern ihrer eigenen Traditionen, die Ablehnung der slawischen Maske des bolschewistischen Wahnsinnes oder der heuchlerischen, äußerlich demokratisch bestimmten, aber innerlich rein imperialistischen Ideologie, mit der unsere Gegner so viele Nationen betrogen haben. Im neuen hierarchischen, germanischen und römischen Europa-Gedanken würden auch diese Völker den wahren Schwerpunkt ihrer besseren Bestrebungen sowie die Grundlage für eine geordnete und harmonische Entwicklung ihrer Möglichkeiten finden - im Zeichen und im Schutze einer höheren Kultur, die es versteht, Sie zu achten und zu schützen.




Anmerkungen:


  1. Vgl. dazu C. Steding, "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur", 2. Auflage, Hamburg 1938, S. XV.: "In unserer abendländischen Welt war der römische Staat der staatlichste aller Staaten und hatte gewissermaßen in idealtypischer Reinheit die Idee eines nordischen Staates verwirklicht: so kann es schon nicht überraschen, wenn er als vorbildlich empfunden wird: auch von Männern, die etwas auf sich halten, wie die Deutschen des Mittelalters... Ein einziger Blick in die Gesichter unserer Verfahren, soweit wie Gemälde und Bildwerke besitzen. sollte zeigen, daß die 'römische' Überfremdung ihnen zum mindesten nicht schlecht bekommen ist und daß sie weitaus männlicher, dichter, selbstbewußter und gesünder aussahen als unsere Zeitgenossen, die zur Negierung eines guten Teils unserer deutschen Vergangenheit kommen." Walter Frank setzt hinzu (ebenda): "So ist sich in Christoph Steding die Erbschaft der sächsischen Rebellen Widukinds begegnet mit dem Erbe jener am Verbild Roms gebildeten, aber aus der eigenen, staatengründenden Kraft der Germanen schöpfenden Reichstradition, die mit dem großen Karl, eisern und blutig wie alles weltgeschichtliche Geschehen, die zersplitterte Welt der deutschen Germanenstämme zur ersten Einheit zusammenzwang." (zurück)

(aus: Europäische Revue, XVIII, 2/1942; S. 69ff.)



Ýâîëà

Áèáëèîòåêà òðàäèöèîíàëèñòà | Àðêòîãåÿ | Àðèåñ |Ìèëûé àíãåë | Âòîðæåíèå | Ýëåìåíòû | Íîâûé Óíèâåðñèòåò

Êîíåö ìèðà | Êàòàëîã "Àðêòîãåè" | FINIS MUNDI | Ñòàòüè Äóãèíà | Êíèãè Äóãèíà | Ïîýçèÿ | Àðòãàëåðåÿ